Wenn wir von Weltraumschrott sprechen, denken viele an ganze Satelliten. Doch das eigentliche Problem ist die schiere Vielfalt der Größen. Vom tonnenschweren Metallkoloss bis zum mikroskopischen Staubkorn ist im Orbit alles vertreten.
Hier ist ein Überblick über die Größenklassen und warum jede für sich eine spezifische Herausforderung darstellt.
Die drei Hauptkategorien
Die europäische Weltraumorganisation (ESA) und die NASA teilen den Schrott grob in drei Gruppen ein, basierend darauf, wie gut wir sie überwachen können:
| Größe | Geschätzte Anzahl | Überwachbarkeit | Gefahr |
| Groß (> 10 cm) | ca. 36.500 | Werden per Radar/Teleskop katalogisiert | Komplette Zerstörung bei Kollision |
| Mittel (1 cm – 10 cm) | ca. 1 Million | Schwer zu verfolgen | „Satelliten-Killer“ (schwerer Schaden) |
| Klein (< 1 cm) | > 130 Millionen | Nicht verfolgbar | Materialerosion & Hüllenschäden |
1. Die Giganten: Raketenstufen und tote Satelliten
Dies sind die „Eltern“ des restlichen Schrotts. Sie sind so groß wie Busse oder LKWs und wiegen oft mehrere Tonnen.
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Beispiele: Ausgediente Oberstufen von Raketen oder abgeschaltete Satelliten (wie der riesige, tote Umweltsatellit Envisat).
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Das Risiko: Sie sind die größten Ziele. Wenn zwei dieser Giganten kollidieren, entstehen tausende neue Bruchstücke (Kessler-Syndrom).
2. Die Unbekannten: Bolzen, Splitter und Kühlmittel
In der mittleren Kategorie befinden sich Objekte, die etwa so groß wie eine Murmel oder eine Faust sind.
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Beispiele: Explosionsfragmente, verlorenes Werkzeug (wie die berühmte Werkzeugtasche der ISS-Astronautin Heidemarie Stefanyshyn-Piper) oder gefrorene Klumpen aus flüssigem Kühlmittel alter Satelliten.
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Das Risiko: Sie sind zu klein, um ihre Flugbahn für jeden Satelliten exakt vorherzusagen, aber groß genug, um bei einem Aufprall jede Panzerung zu durchschlagen.
3. Der „Sandsturm“: Lacksplitter und Staub
Die zahlenmäßig größte Gruppe besteht aus Teilchen, die kleiner als ein Sandkorn oder sogar mikroskopisch fein sind.
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Beispiele: Abgeplatzte Lacksplitter von Satellitenhüllen oder winzige Rußpartikel von Raketentriebwerken.
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Das Risiko: Ein einzelnes Teilchen richtet kaum Schaden an. Aber über Jahre wirken sie wie ein Sandstrahlgebläse auf Solarzellen und Optiken, was deren Lebensdauer drastisch verkürzt.
Wie misst man Dinge, die man nicht sieht?
Während man Objekte über 10 cm mit Radarstationen auf der Erde (wie dem deutschen TIRA-System) verfolgen kann, nutzt man für die ganz kleinen Teile eine andere Methode: Statistik durch Rückkehrer.
Wissenschaftler untersuchten beispielsweise die Oberfläche des Space Shuttles oder der Hubble-Servicemissionen nach ihrer Rückkehr. Die Anzahl und Tiefe der winzigen Einschlagkrater lässt Rückschlüsse darauf zu, wie dicht die Wolke aus Mikroschrott im All wirklich ist.
Interessanter Fakt: Sogar die Fenster der ISS haben winzige Krater von Lacksplittern. Diese Fenster sind deshalb mehrlagig und extrem dick ausgeführt.
Wusstest du, dass die meisten Trümmerteile gar nicht durch Unfälle, sondern durch die Explosion alter Batterien oder Treibstoffreste in Raketenstufen entstehen? Möchtest du mehr über diese „Selbstzerstörung“ im All erfahren?